Cologne

Energie aus Abwasser nutzbar gemacht

Mit Abwasser abgeleitete Wärme aus Kanälen mittels Wärmetauschtechnik nutzbar zu machen, um damit größere Gebäudekomplexe oder ganze Stadtviertel umweltfreundlich zu beheizen, das klingt in Zeiten des Klimawandels vielversprechend.

Technisch ist das Verfahren nicht neu. Doch die bislang mit dem Abwasser abgeleitete Wärme aus Kanälen mittels Wärmetauschtechnik nutzbar zu machen, um dam​it größere Gebäudekomplexe oder ganze Stadtviertel umweltfreundlich zu beheizen, das klingt in Zeiten des Klimawandels vielversprechend. Dieses Ziel verfolgt das auf vier Jahre angelegte EU-Projekt „Celsius“, das zur Smart-City-Initiative gehört und an dem neben Köln fünf weitere europäische Städte beteiligt sind, darunter London, Rotterdam und Göteborg. Celsius will neue regenerative Techniken zur Wärme- und Kälteversorgung entwickeln, um so mittelfristig den CO2 -Ausstoß bei der Energiegewinnung zu reduzieren.

Am Donnerstag nahmen Vertreter eines Konsortiums aus Rheinenergie, Fachhochschule, Stadtentwässerungsbetrieben und Stadt an der Otto-Lilienthal-Schule in Wahn die erste Pilotanlage für Köln in Betrieb. Sie wird fortan die Realschule und das benachbarte Maximilian-Kolbe-Gymnasium mit Wärme versorgen. Die zu beheizende Fläche liegt bei 21 650 Quadratmetern, die Jahreswärmeleistung der Anlage bei rund 1,2 Millionen Kilowattstunden, was dem Wärmebedarf von 70 Einfamilienhäusern entspricht.

Neben dem Projekt in Wahn will die Rheinenergie in den kommenden Monaten noch zwei weitere Anlagen an Schulen in Mülheim und Nippes in Betrieb nehmen, um dort unterschiedliche Wärmegewinnungstechniken zu testen. In einem weiteren Schritt soll die Technik ab 2014 an weiteren Gebäudetypen erprobt werden. „Allein an diesem Standort werden wir pro Jahr auf diese Weise etwa 170 Tonnen Kohlendioxid einsparen“, sagt Rheinenergie-Vorstand Thomas Breuer. Die Investitionskosten von rund 650 000 Euro werden etwa zur Hälfte aus EU-Mitteln efördert. Noch sei das Ganze mangels Masse „nicht wirtschaftlich zu betreiben“, sagt Breuer. „Aber wir testen aus, ob und wie diese Form moderner Nahwärmeversorgungstechnik unser nachhaltiges Portfolio bei der Fernwärme ergänzen kann.“

Grob vereinfacht, funktioniert die Technik so: In der 15 bis 20 Grad warmes Wasser führenden Kanalleitung liegt eine Art Metallwanne mit zwei Schichten. Zwischen diesen fließt kühleres Wasser, das sich auf diese Weise erwärmt und dann in einen Heizkessel geleitet wird, der mit einer Wärmepumpe gekoppelt ist. Diese bezieht drei Viertel ihrer Energie aus dem Kanalwasser. Zusätzlich angeheizt werden muss der Kessel nur noch bei Extremtemperaturen, was Energie spart. (mdo)

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